Volkssolidarität


Brandenburg

„Wir sind gefragt wie eh und je“

Festveranstaltung zum 76. Jahrestag der Volkssolidarität in Potsdam

Vor einem Jahr musste die große Feier zum 75. Jahrestag der Volkssolidarität Corona-bedingt ausfallen, nun aber hat es geklappt. Am 7. Oktober fand die traditionelle Fest- und Auszeichnungsveranstaltung der Volkssolidarität Landesverband Brandenburg e.V. statt. Vor der schönen Kulisse des Restaurants „Zur historischen Mühle“ am Park Sanssouci wurden verdienstvolle Ehrenamtler geehrt, woran sich auch Gesundheits- und Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) beteiligte. Zuvor dankte Vorstandsvorsitzende Ines Große allen Menschen, die in der Corona-Pandemie den verbandlichen Zusammenhalt aufrecht gehalten hatten und für ihre Mitbürger da gewesen waren. Die Grußworte der abwesenden Verbandsratsvorsitzenden Bettina Fortunato überbrachte Gerhard Horn, Mitglied des Verbandsrates. Auch er unterstrich, dass die Hilfsbereitschaft gerade in der Coronazeit herausgefordert war und sich dort bewähren musste.

Foto: Ministerin Ursula Nonnemacher (li.) gratuliert Anne-Marie Henseke, der langjährigen Leiterin einer VS-Ortsgruppe in Potsdam

„Wir sind gefragt wie eh und je“, sagte Horn und erinnerte an den diesbezüglichen sozialen Auftrag der Gründungsmütter und -väter der Volkssolidarität. Dabei beschränke sich die Arbeit keineswegs auf die Älteren. „Alle Generationen erwarten von uns zu Recht Solidarität und Gemeinschaftssinn.“ Unter den Anwesenden war auch Armin Lufer, mit weit über 90 Jahren Angehöriger der VS-Gründergeneration. Schon im Jahr 1946 war er in die Volkssolidarität eingetreten und wurde auf der Festveranstaltung als „Mitglied der ersten Stunde“ begrüßt und geehrt.

Gerhard Horn sprach von der Wärme, die in den ersten Nachkriegsjahren zusammen mit Suppe ausgegeben worden war und schlug einen gedanklichen Bogen zum „Essen auf Rädern“, das heute an verschiedenen Stellen im Bundesland von Mitarbeitern der Volkssolidarität ausgeteilt wird. „Wir setzen uns für soziale Gerechtigkeit ein, insbesondere für Verteilungsgerechtigkeit“, unterstrich er. Das Angebot von Gemeinschaft sei insbesondere im ländlichen Bereich wichtig, „wo immer mehr Menschen einsam zurückbleiben.“

VS-Veteranin Gisela Damm, die den Dank der Geehrten formulierte, hat ihren Humor bewahrt: Mit „liebe Impflinge“, wandte sie sich an die Anwesenden. Im Saale säßen Menschen, „die ein bisschen mehr machen als sie eigentlich müssten“, sagte die vielfach Geehrte. Mit Blick auf die goldenen und silbernen Ehrennadeln, die Ehrenurkunden und Preise fügte sie hinzu: „So oft kriegen wir nicht danke gesagt.“ Es sei nur menschlich, wenn das traditionelle „Miteinander-Füreinander“ der Volkssolidarität gelegentlich auch in ein Durcheinander münde. Dabei aber sei sie selbst immer dankbar geblieben und habe dazu auch heute noch Anlass. Wie zum Beispiel dafür, dass ihr die Volkssolidarität technische Hilfe gewährte, als es darum ging, an einer Videokonferenz teilzunehmen. „Es ist mir bis heute ein Erlebnis gewesen, mit Menschen aus Hamburg und München zusammen auf einem Bildschirm gesehen zu werden.“

Als "wichtige Stimme des Ostens" und tragende Säule des Engagements im wiedervereinigten Deutschland hat Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) in ihrer ausführlichen Grußrede den Sozialverband Volkssolidarität gewürdigt. Die Ministerin sprach von einer "beeindruckenden Bilanz" des traditionsreichen Sozial- und Wohlfahrtsverbandes, der ein Jahr nach Kriegsende für die Mark Brandenburg gegründet worden war.

"Ich wünsche mir, dass viele Seniorenklubs nach der Coronazeit wieder öffnen und Menschen aus der häuslichen Isolation herausgeholt werden", sagte Nonnemacher und sprach von ihrem Vorhaben, die u.a. auch von der VS betriebenen Mehrgenerationenhäuser zu Familienzentren umzubauen. Das Leitmotiv der Volkssolidarität "Miteinander-Füreinander" habe in der Lockdownzeit eine besondere Bedeutung erhalten, habe tatkräftiges und ermutigendes Engagement innerhalb der Volkssolidarität herausgefordert. "Wir müssen mit der Pandemie leben", sagte sie und erwähnte die Möglichkeit der Auffrischungsimpfung für ältere Menschen.

Seit Anfang des Jahres gelte die Grundrente für Menschen, die lange Jahre eingezahlt haben, aber dennoch nur eine geringe Rente erhalten. Dieser Tage beginne die Auszahlung. "Wir werden das beobachten". Daneben müsse endlich der Rentenangleich Ost-West stattfinden, unterstrich die Ministerin.

Als vor 76 Jahren im Osten Deutschland die Volkssolidarität von den Parteien, Kirchen und Gewerkschaften gegründet worden war, ging es zunächst darum, die schlimmste Not zu lindern, führte Nonnemacher aus. Danach habe sich die Volkssolidarität zu einem Anker älterer Menschen entwickelt, einem Treff für Seniorinnen und Senioren, der u. a. Hauswirtschaftshilfe anbot. Die politisch Wende habe auch für die Volkssolidarität einen Einschnitt und eine enorme Herausforderung bedeutet. Inzwischen sei sie in der Lage, die "komplette Kette der Pflegeunterstützung" anzubieten. Der Verband ist den Worten der Politikerin zufolge für viele Menschen wichtiger Ratgeber und Wegbegleiter auch bei sozialen Verwerfungen gewesen: "Das wollen wir nicht verschweigen".

Brandenburg gehöre zu den älteren Regionen Deutschlands, legte die Ministerin dar. Derzeit seien ein Viertel seiner Einwohner im Rentenalter, im Jahr 2030 könnten es ein Drittel sein. Das wären 130.000 Rentnerinnen und Rentner mehr als heute. Eine kürzlich veröffentlichte Studie habe ergeben, dass sich die meisten älteren Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg wohl fühlen, doch gebe es "Baustellen". Dazu gehöre das altersgerechte Wohnen und die Mobilität.

Volkssolidarität Landesverband Brandenburg e. V.