Volkssolidarität


Brandenburg

Nicht mehr allein auf die Katze angewiesen

Neue Tagespflege "Pommernwiese" der Volkssolidarität in Gartz

Binnen kurzem waren alle 26 Plätze vergeben, schon müssen Wartelisten geführt werden. Im uckermärkischen Städtchen Gartz hat vor einigen Wochen die neue Tagespflege der Volkssolidarität "Pommernwiese" eröffnet. Dass dies nahezu zeitgleich mit dem zweiten Corona-Lockdown stattfand,  war Schicksal. "Gleich ging es los mit einem strengen Hygienekonzept", sagt  Leiterin Nicole Schablack. Inzwischen werden alle Gäste einmal in der Woche getestet. Die vier Mitarbeiterinnen dreimal.  Nicole Schablack: "Bisher sind wir verschont geblieben." In der Einrichtungsbeschreibung: "Unsere Tagespflegeeinrich­tungen bietet alles, was im Alltag wichtig ist. Dazu gehört die medizinische Behand­lung chronischer Erkrankungen ebenso wie Essen, Trinken und die Körperhy­giene. Der Alltag unserer Gäste soll Allein­sein und Langeweile vermeiden. Pflegende Angehörige sollen die Leistungen Gelegenheit geben, Pflege und Beruf besser vereinbaren zu können."

Foto: In der Bastelgruppe der Tagespflege wurde ein Riesen-Spiel "Mensch ärgere dich nicht" angefertigt.

Hier im Hause werden ältere Menschen tagsüber versorgt, und nicht wenigen von ihnen wird hier der Kontakt und das Gespräch mit den Mitmenschen zurückgegeben. Schablack: "Manche haben davor nur noch mit ihrer Katze gesprochen." Auch die bislang pflegenden Angehörigen sind entlastet. Sie wissen, Oma oder Opa sind zwischen 8 Uhr und 16 Uhr wochentags versorgt. Einige  Gäste kommen fünfmal in der Woche, manche nicht ganz so oft. Selbst in der kurzen Zeit des Betriebes der Einrichtung haben sich schon positive Veränderungen bei den betreuten Menschen gezeigt. "Sie sehen zehn Jahre jünger aus", hieß es kürzlich von einer älteren Dame. Die kloppt inzwischen mit den Männern Karten und genießt die Gemeinschaft. Für die Betreuerinnen ist erstaunlich, wie schnell Menschen in der neuen Gruppe auch ihre körperliche Leistungsfähigkeit wieder steigern können, wenn sie dazu bewusst angeregt werden. Tanzen und Joga vermitteln Bewegungssicherheit und damit auch Lebenssicherheit.

Schon vorher gab es in Gartz, dem kleinen Städtchen an der Oder im fernen Nordosten Brandenburgs, die ambulante Pflege, die Kindertagesstätte  "Regenbogenhaus" und die Anlage für das betreute Wohnen. Alles betrieben vom Sozial- und Wohlfahrtsverband  Volkssolidarität. Im Gedankenaustausch mit der früheren Geschäftsführerin Bärbel Glogau reifte die Idee, nun auch noch das "Segment" Tagespflege hinzuzufügen.  Der Einzugsbereich sind die rund 2000 Einwohner von Gartz, wenn man die Umgebung hinzurechnet, sind es weitere ca. 6000 Menschen. So entstand dieses Angebot in einem Haus, das die Volkssolidarität mietet, das sie aber auch selbst eingerichtet hat: Die Pflegedienstleiterin: "Küche, Ruheraum, Büro, Liegesessel - das hat ungefähr 25.000 Euro gekostet. Ein Notrufsystem auf der Toilette und im Ruheraum hat sich schon bewährt."

Der Tag beginnt mit Frühstück, es folgt eine Zeitungsschau und der Gedankenaustausch zu aktuellen Themen der Politik und der näheren und weiteren Umgebung. Das dann folgende Betreuungsprogramm  ist in drei Säulen aufgebaut: Sport und Bewegung, das Kreativitätsprogramm sowie Backen und Kochen. Mittags wird in der Regel das Essen aus der VS-Kita-Küche geliefert, doch einmal in der Woche kocht die Tagespflege selbst. Nicole Schablack: "Viele weibliche Gäste kennen eine Unmenge Rezepte. Letzten gab es Zwiebelkuchen." Im Tagesablauf fehlt nicht der Spaziergang, die so wichtige regelmäßige  Bewegung  an frischer Luft. Wer sich in den Ruheraum zurückziehen will, kann dies tun. Andere habenSpaß beim Singen, Musizieren oder Ratespielen. U. a. müssen sie Wörter finden, Reime oder Sprichwörter vervollständigen. Eine "Flimmerkiste" ist im Angebot, regelmäßig wird über Youtube ein alte Film gezeigt, den die Hausinsassen aus ihren Liegestühlen verfolgen können. Die Bastelgruppe hat ein übergroßes Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel gebaut. Nachmittags gibt es selbstgebackenen Kuchen, das lassen sich die Gäste nicht nehmen. "Das können unsere Omis alle."

Die Fachfrau Schablack wollte eigentlich keinen Kurs für Pflegedienstleitung machen, nun war es aber doch nötig. Und sie bereut es nicht. Für den Namen "Pommernwiese" hatten sich die Betreiber nach einer offenen Facebook-Umfrage entschieden. Im Angebot waren noch "Pommernhus" und andere plattdeutsche Bezeichnungen, aber die "Wiese" hat das Rennen gemacht.

Ein gecharterter Fahrdienst bringt morgens die Gäste in die Einrichtung und fährt sie abends wieder in ihr Zuhause zurück. Auch das zahlt die Pflegekasse. An der Wand - für jeden sichtbar - hängt der aktuelle Wochenplan. Hier kann man erfahren, welche Aktivitäten geplant sind, welches Essen es gibt -  alles eben, was die Betreiber und Betreuten angeht.