Volkssolidarität


Brandenburg

Jung, dynamisch, digital

Wohlfahrt Intern: Generationswechsel in der Volkssolidarität

Auf der Führungsebene der Volkssolidarität findet ein Generationswechsel statt. Das ist der Zeitschrift "Wohlfahrt Intern", der "verbandsunabhängigen Fachzeitschrift für Entscheider in der Sozialwirtschaft", einen längeren Beitrag wert. Wir zitieren

Die neue Riege sorgt im gesamten Verband für frischen Wind. Sie sind jung, dynamisch und digital. Sie kommen meistens aus dem Osten, aber nie aus dem eigenen Verband. Ihre Berufserfahrung haben sie in anderen Verbänden oder sogar in anderen Branchen gesammelt. Jetzt gehören sie zur Führungsriege der Volkssolidarität und sind dabei, den Ostverband mit dem Seniorenimage kräftig aufzumischen. In den vergangen drei Jahren hat bei  der Volkssolidarität ein Generationswechsel eingesetzt.

Von der Bundesebene bis in die Kreisverbände hinein haben zahlreiche Führungskräfte gewechselt. Wir haben mit neun von ihnen gesprochen, nach ihrer Motivation und ihren Zielen gefragt. Wie werden die allesamt zwischen 1975 und 1985 Geborenen den Verband verändern? Was macht sie aus? Die Frauenquote beispielsweise erfüllt die neue Garde mit Leichtigkeit. Fünf der neun Porträtierten sind Frauen. Auch die Spitze des Bundesverbands ist mit Susanna Karawanskij als Präsidentin und Alexander Lohse als Geschäftsführer paritätisch besetzt.

Die Volkssolidarität gehört zu den größten Sozialverbänden in Ostdeutschland. Mit 87 Kreis-, Stadt- und Regionalverbänden sowie 3027 Ortsgruppen verfügt der Verband über eine breite Basis, um vor Ort ehrenamtliches Engagement und professionelle Hilfe zu organisieren. Die Volkssolidarität betreibt 153 ambulante Pflegedienste, 131 Pflegeeinrichtungen und 365 Kindertagesstätten. Tragende Säulen sind die 145 000 Mitglieder sowie die rund 18 000 Mitarbeitenden, die dem Verband vor Ort sein Gesicht geben. Das Image der Volkssolidarität ist allerdings belastet. Für viele ist der ehemalige DDR-Verband nach wie vor Hort der Begegnung rüstiger Rentnerinnen und Rentner und kein moderner Sozialverband.  „Das Bild vom Seniorentreff ist bei vielen Menschen noch in den Köpfen“, sagt Madlen Gernoth, die neue Geschäftsführerin des Kreisverbands Wurzen. Bis zu ihrem Dienstantritt vor zwei Jahren sei das bei ihr nicht anders gewesen. „Meine Oma hat bei der Volkssolidarität ihre Halma-Abende  gehabt und Mensch ärgere Dich nicht gespielt“, erinnert sich Gernoth.

Die Volkssolidarität von heute stimmt mit diesem Bild nicht mehr überein. Darin sind sich alle neuen Verantwortlichen einig. Sie wollen dafür sorgen, dass die Wirklichkeit ein neues Image prägt und die Volkssolidarität als das rüber kommt, was sie ihrer Meinung nach ist: ein moderner Sozialverband mit vielfältigen Aktivitäten und ein attraktiver Arbeitgeber mit vielen Möglichkeiten. Wie die Neuen ticken, dafür ist Romy Pietsch ein gutes Beispiel. Die Geschäftsführerin des Kreisverbandes Bautzen hat lange beim Modehändler Sinn Leffers gearbeitet. Die Erfahrung im Einzelhandel hat ihre Sichtweise geprägt. Sie sieht die Volkssolidarität als Marke, spricht von Corporate Identity, die gemeinschaftlich in allen Verbänden und auf allen Ebenen umgesetzt werden sollte.  Sie weiß auch, dass die Realität in einem dezentral organisierten Verband eine andere ist. Jeder Kreis- und Landesverband könne selbst entscheiden, ob und wie die Volkssolidarität sich nach außen präsentiert. Ein einheitliches Image existiere nicht. Romy Pietsch geht das gegen den Strich, denn so verpufft ihrer Meinung nach viel Potenzial. Ihre Referenz beim Markenauftritt ist die Automobilindustrie. „BMW fragt ja auch nicht jedes einzelne Autohaus, wie es auftreten will“, sagt sie. Dort werden alle Händler zu einen einheitlichen Auftritt verpflichtet.

Mit großen Hoffnungen blicken sie daher nach Berlin zum Bundesverband. Dort führt ebenfalls ein Neuer die Geschicke. Seit 2018 ist Alexander Lohse Bundesgeschäftsführer. Wie Romy Pietsch kommt auch er aus der freien Wirtschaft, hat   bei Siemens gearbeitet, den mittelständischen Unternehmertag gegründet und war Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft für die Region Leipzig.  Er weiß, wie wichtig das Thema Branding für den unternehmerischen Erfolg ist. Unter Lohse nimmt die Marke Volkssolidarität Gestalt an. So hat er die Arbeitgeberkampagne ‚Gutes im Sinn‘ initiiert, die 2020 an den Start ging. Die Kampagne wirbt um Fachkräfte, Auszubilden- de und ehrenamtliche Mitglieder in einer komplett durchgestylten Form: Ein bärtiger Hipster mit tätowierten Armen wirbt um Erzieher-Nachwuchs. Präsentiert wird die Kampagne auf einer frisch gestalteten Webseite. Bei den Kolleginnen und Kollegen auf Landes- und Kreisebene kommt das gut an. Der Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität in Berlin, Alexander Slotty,  hat die Vorlage gleich angenommen. Der Berliner Landesverband ist einer der Ersten, der die neu aufgelegte Webseite  des Bundesverbandes übernommen hat und großflächig mit ‚Gutes im Sinn‘ wirbt. Dieses Jahr will Slotty auch noch Twitter und Facebook mit der neuen Kampagne bespielen. Auch Romy Pietsch muss nicht zweimal gebeten werden. Gleich im vergangenen Oktober plakatierte sie große Werbetafeln in Bautzen und Bischofswerda, um ‚Gutes im Sinn‘ auf die Straße zu bringen. Zudem rührt sie im sächsischen Landesverband für die Kampagne die Werbetrommel, spricht mit Mitgliedern, Mitarbeitenden und anderen Kreisgeschäftsführern und Kreisgeschäftsführerinnen. Sie will die Gunst der Stunde nutzen. Jetzt sei die Zeit, um gemeinsam aktiv zu werden. Der Wille, etwas zu ändern, sei in allen Generationen zu erkennen, sagt sie. Pietsch hat auch schon einen Vorschlag, wie es mit  der Markenbildung weitergehen könnte: Radiowerbung, das wäre es. „Damit könnten wir ‚Gutes im Sinn‘ weiter in die Köpfe der Menschen bringen“, sagt die Geschäftsführerin.